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Re: 700 € für Lenny



Werner Mahr schrieb:

> Thomas Hochstein wrote:
>>> 1. Debian ist OSS unter der GPL
>> Das glaube ich kaum.
> Ich schon.
>
[...]
> Richtig, allerdings sind die Teile die diesem überwiegenden Großteil 
> nicht asngehören allesamt unter GPL freigegeben, und seit dem letzten 
> Release steht diese Großteil den du meinst komplett unter freier Lizenz. 
> Die Wortwahlt in Punkt 1 ist vielleicht nicht glücklich, die Aussage die 
> damit getroffen werden sollte entspricht allerdings den Tatsachen.

Jein. Die Bestandteile, die man erhält - bzw. in dem diskutierten Fall
auch verteilt - stehen eben beileibe nicht alle unter der GPL, sondern
unter einer Vielzahl verschiedener, allerdings allesamt im
Debian-Sinne freier Lizenzen. Wenn es aber um die Rechtsfrage geht, ob
und unter welchen Umständen "Debian" verteilt werden darf, kann es
durchaus auf die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lizenzen
ankommen.

>> Es geht vorliegend nicht um den Bezug, sondern um die damit verbundene
>> (Weiter-)Verbreitung. Und die darf eben nur so "frei" erfolgen, wie
>> die jeweilige Lizenz das erlaubt. Und die meisten Lizenzen erfordern
>> bei der Weitergabe von Binärcode die Bereitstellung des Sourcecodes.
>
> Was gewähleistet ist, da jedes Paket Informationen enthält, wo man die 
> Sourcen beziehen kann. Da er nur Bereitgestellt (im Sinne von verfügbar 
> sein) werden muss, und nicht mitgeliefert reicht das aus.

Das ist, wie ich debian-legal entnehme, jedenfalls für den Fall eines
Torrents nicht völlig unumstritten.

>> Der entscheidende Punkt dürfte sein, daß (exklusive) Nutzungs- und
>> Verbreitungsreichte eines niederländischen Unternehmens an Debian
>> behauptet werden. Das ist höchst unwahrscheinlich.
>
> Dafür müsste ihm Debian ja die Exklusivrechte übertragen haben,

Jein. Es würde letztlich reichen, wenn irgendein Autor irgendeiner
Softaware, die Bestandteil eines Pakets ist, das in diesem Torrent
enthalten ist, Exklusivrechte übertragen hat; selbst dann, wenn der
Maintainer das nicht weiß (und der jetzige Upstream auch nicht). Das
ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen.

>> (Es ist aber durchaus möglich, daß - trotz aller darauf verwendeten
>> Sorgfalt - Debian Softwarepakete enthält, die nicht so oder ggf. gar
>> nicht verbreitet werden dürfen. Bspw. mag ein Softwareentwickler
>> proprietären Code als sein Werk ausgegeben und dann unter die GPL oder
>> eine vergleichbare Lizenz gestellt haben (oder, wahrscheinlicher, in
>> seinen Code solchen Code aufgenommen habe). Da er dann gar keine
>> Verbreitungsrechte an dem Code hat, kann er diese auch nicht via GPL
>> an Dritte weitergeben. Die Verbreitung dieser Software durch ihn, aber
>> auch durch Debian und jeden Dritten (auch wenn diese in gutem Glauben
>> handeln) wäre dann eine Verletzung des Urheberrechts und damit
>> natürlich auch abmahnfähig. --- Um diesen Fall geht es aber, soweit
>> ersichtlich, nicht.)
>
> Zumal bei einer Abmahnung oder einem Verfahren dargelegt werden würde, 
> welche Teile das sind, sodass mit Sicherheit schon irgendwo etwas 
> darüber zu lesen gewesen wäre, und diese Teile dann verschwinden oder 
> angepasst werden würden.

Ack.

>> Ob eine Straftat vorliegt ist für die hier allein im Raum stehende
>> Frage, ob ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch besteht,
>> vollkommen irrelevant.
>
> Falsch. Da diese Abmahnungen an Internetnutzer verschickt werden, und 
> die Herausgabe der zugehörigen  Addressen nur über die zuständigen 
> Staatsanwaltschaften genehmigt werden kann,

Du irrst, § 101 Abs. 9 UrhG. Es gibt seit einiger Zeit im UrhG einen
zivilrechtlichen Auskunftsanspruch auch auf Herausgabe von dem
Telekommunikationsgeheimnis unterliegenden Daten.

>> Zunächst bedürfte es also einer Kenntnis der Faktenlage, danach dann
>> einer rechtlichen Beurteilung (die allerdings sinnvollerweise eher
>> nicht auf dem Niveau von "Debian ist freie Software" stattfinden
>> sollte ;)).
>
> Full ACK

Nun ja, es soll jetzt ja angeblich ein schlechter Scherz eines
früheren Bekannten gewesen sein. Vielleicht war das so, vielleicht war
der ganze Thread von Anfang an ein Fake, vielleicht ...

>> Kaum anzunehmen, denn eine Kanzlei - und auch ein solches Unternehmen,
>> das Ermittlungsdienstleistungen anbietet - wird ja nicht ohne Auftrag
>> tätig. Und der Auftraggeber wird regelmäßig der Rechteinhaber sein,
>> der dem Betreffenden ("Strohmann") dann das entsprechende
>> Verbreitungsrecht gewähren wird.
>
> Wenn ich dann diese Daten von dieser berechtigten Stelle beziehen, kann 
> mir also erstmal keiner was.

Ein Problem entsteht, wenn Du diese Daten dann (zugleich auch)
weiterverbreitest (was, so wie ich es verstehe, bei Bittorrent
technisch bedingt der (Regel-)Fall ist).

> Woher weiß er dann das irgendjemand von mir 
> diese Daten bezieht (denn darum geht es ja). Das ganze läuft genau 
> andersrum, dieses Unternehmen sucht sich nur die Beschreibungen des 
> Contents und versucht dann diese Daten von den Nutzern zu beziehen.

Mutmaßlich, ja.

>> Ich habe den Eindruck, daß Dir die zugrundeliegenen Abläufe nicht ganz
>> klar sind. Die wirklich interessante Frage wäre vielmehr, warum "Media
>> Art Holland b.v" behauptet, (exklusive) Nutzungs- und
>> Verbreitungsrechte an "Debian 5" zu haben und diese behaupteten Rechte
>> auf diesem Wege geltend zu machen versucht.
>
> Und das ganze auch noch ohne darzulegen wie sie zu der Annahme Rechte zu 
> haben kommt.

Naja, die Abmahnung soll 6 Seiten Text gehabt haben; da könnte das
ausgeführt gewesen sein, wenn sie denn echt gewesen wäre.

> Ich unterstelle einfach mal, das an diversen Stellen 
> nachzulesen wäre, wenn es anders wäre.

Theoretisch ist es durchaus denkbar, daß jemand - ggf. auch bewußt -
einem OSS-Projekt ein Kuckucksei unterschiebt und das erst bekannt
wird, wenn er "losschlägt". Die ganze Geschichte ist aber von Anfang
an fraglos sehr eigenartig gewesen, so dass sich als Erklörungen (kaum
erklärlicher) Irrtum, bewußte Täuschung oder eben Fälschung
aufgedrängt haben.

Grüße,
-thh

PS: Es ist ausgesprochen suboptimal, ein Followup-To: auf
gmane.linux.debian.user.german zu setzen, denn es gibt Leute, die
lesen diese Mailingliste zwar als Newsgroup, aber nicht über gmane,
sondern via linux.*. Ich weiß, daß KNode so kaputt ist, _immer_ ein
Followup-To: zu setzen, dennoch ist das einigermaßen ärgerlich. :-/
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