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Re: 700 € für Lenny



swkohn schrieb:

> Ich verstehe die ganze Aufregung nicht:

Ich schon. Wenn der Download von Debian Aufwand und Kosten nach sich
zieht, ist das der weiteren Verbreitung mutmaßlich jedenfalls nicht
dienlich. (Und in diesem konkreten Fall dürfte bereits der zeitliche
Aufwand und die Kosten für die Anwaltskonsultation nicht unerheblich
sein.)

> 1. Debian ist OSS unter der GPL

Das glaube ich kaum.

"Debian" ist weniger Software als vielmehr eine Distribution, also
eine Zusammenstellung von Software, die so modifiziert wird, daß
lauffähige Programmpakete sich sich über ein Paketmanagementsystem
installieren lassen, wobei Abhängigkeiten automatisch aufgelöst werden
und die einzelnen Teile so weit wie möglich nahtlos ineinander
greifen. Der ganz überwiegende Großteil der Debian-Pakete ist nicht
von Debian-Entwicklern erstellt, sondern wird von ihnen "nur" als
Paket bereitgestellt.

Viel wichtiger aber: jede paketierte Software steht unter ihrer
eigenen Lizenz. Das ist beileibe nicht nur die GPL. Bei der
Verbreitung von "Debian" müssen alle Vorgaben der jeweiligen Lizenz
der jeweiligen Einzelteile (Pakete) beachtet werden.

> 2. ... darf infolgedessen frei bezogen werden ...

Es geht vorliegend nicht um den Bezug, sondern um die damit verbundene
(Weiter-)Verbreitung. Und die darf eben nur so "frei" erfolgen, wie
die jeweilige Lizenz das erlaubt. Und die meisten Lizenzen erfordern
bei der Weitergabe von Binärcode die Bereitstellung des Sourcecodes.

> 4. ... bietet das Debian-Projekt auf der Site mehrere Wege selbst an, 
> u.a. auch den Weg über torrents.

Das ist für die Frage, ob das Debian-Projekt das auch *darf* (und ob das
dann auch beliebige Dritte dürfen), aber nicht von Belang.

> Wenn also eine windige Kanzlei meint, hier auf den Abmahn-Wahn 
> aufspringen zu wollen, bitte sehr.

Der entscheidende Punkt dürfte sein, daß (exklusive) Nutzungs- und
Verbreitungsreichte eines niederländischen Unternehmens an Debian
behauptet werden. Das ist höchst unwahrscheinlich.

(Es ist aber durchaus möglich, daß - trotz aller darauf verwendeten
Sorgfalt - Debian Softwarepakete enthält, die nicht so oder ggf. gar
nicht verbreitet werden dürfen. Bspw. mag ein Softwareentwickler
proprietären Code als sein Werk ausgegeben und dann unter die GPL oder
eine vergleichbare Lizenz gestellt haben (oder, wahrscheinlicher, in
seinen Code solchen Code aufgenommen habe). Da er dann gar keine
Verbreitungsrechte an dem Code hat, kann er diese auch nicht via GPL
an Dritte weitergeben. Die Verbreitung dieser Software durch ihn, aber
auch durch Debian und jeden Dritten (auch wenn diese in gutem Glauben
handeln) wäre dann eine Verletzung des Urheberrechts und damit
natürlich auch abmahnfähig. --- Um diesen Fall geht es aber, soweit
ersichtlich, nicht.)

> Da hier weder eine illegale 
> Erlangung, noch eine Urheberrechtsverletzung, geschweige denn ein 
> Straftat vorliegt,

Diese Zusammenstellung erscheint mir wenig nachvollziehbar.

Ob eine Straftat vorliegt ist für die hier allein im Raum stehende
Frage, ob ein zivilrechtlicher Unterlassungsanspruch besteht,
vollkommen irrelevant. Weder ist strafbares Handeln erforderlich noch
genügt es. Und welche "illegale Erlangung", was auch immer das sein
soll, wäre denkbar, die keine Urheberrechtsverletzung ist?

> würde mich diese "6-seitige Begründung" mal 
> interessieren, die auf lima-city erwähnt wird.

Das ist der entscheidende Punkt: Ohne zu wissen, was überhaupt geltend
gemacht wird, läßt sich schlicht nicht beurteilen, ob der geltend
gemacht Anspruch zu Recht besteht.

Zunächst bedürfte es also einer Kenntnis der Faktenlage, danach dann
einer rechtlichen Beurteilung (die allerdings sinnvollerweise eher
nicht auf dem Niveau von "Debian ist freie Software" stattfinden
sollte ;)).

> Die Methode die hier verwendet wird ist relativ glasklar: Ein Strohmann 
> dieser Kanzlei klinkt sich als Seeder in das bittorent-Netz ein und 
> sammelt IP-Adressen. Ein Programm filtert die Zugriffe und erstellt 
> whois-Abfragen über den Provider und die abuse-mail.

Soweit zutreffend - nur ist es mit einer "Abuse-Mail" (selbst dann,
wenn man das sinnwahrend als "Beschwerde-E-Mail" und nicht als
mißbräuchliche E-Mail versteht) nicht getan, da auf diese Weise die
Person des Nutzers respektive seine Anschrift nicht ermittelbar ist.

Vor dem Schritt ...
> Ende vom Lied: User bekommt Post.
... bedarf es daher noch eines erfolgreichen Auskunfsersuchens nach §
101 Abs. 9 UrhG.

> Tatsache ist aber auch, das der "Strohmann" der eigentliche ist, der 
> eine Straftat begeht,... denn ER seeded anfänglich.

Kaum anzunehmen, denn eine Kanzlei - und auch ein solches Unternehmen,
das Ermittlungsdienstleistungen anbietet - wird ja nicht ohne Auftrag
tätig. Und der Auftraggeber wird regelmäßig der Rechteinhaber sein,
der dem Betreffenden ("Strohmann") dann das entsprechende
Verbreitungsrecht gewähren wird.

> Das die Deppen nun 
> eine OSS dafür genommen haben, zeigt doch ihre totale Sachfremdheit.

Ich habe den Eindruck, daß Dir die zugrundeliegenen Abläufe nicht ganz
klar sind. Die wirklich interessante Frage wäre vielmehr, warum "Media
Art Holland b.v" behauptet, (exklusive) Nutzungs- und
Verbreitungsrechte an "Debian 5" zu haben und diese behaupteten Rechte
auf diesem Wege geltend zu machen versucht.

> Fazit:
> 1. Das ganze Ding auf sich beruhen lassen ...
> 2. Torrents meiden (was eh keiner Erwähnung bedarf.)

Das erschließt sich mir jetzt nicht so ganz.

-thh
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