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[Debian]: Linux installieren



on Fri, Feb 19, 1999 at 10:17:25AM +0100, Manuel Sickert wrote:

>ich war maechtig stolz. Die eigentlichen Probleme kamen nachher:

Ich bin Newbie (habe Debian seit ca. 5 Wochen) und war ebenfalls
mächtig stolz, daß ich es nach zig Fehlversuchen (wobei ich viel
gelernt habe) dann über den NT-Bootmanager booten konnte.

Und genau wie bei Dir kamen die Probs dann nachher:

>- sendmail Konfiguration: voellig sinnlos dieses Unternehmen auch nur
>        anzufangen, hab ich bleiben lassen und stattdessen unseren
>        Institutsadmi solange genervt bis er es mir gemacht hat.

Genau. Ich habe zudem einen UUCP-Provider und mir wurde gesagt, ich
müsse Sendmail erstmal mit anderen Parametern (irgendwas mit
DNS-Auflösung) kompilieren. Ich wußte nichtmals, wie man Sources
"sauber" installiert (dpkg-source -x) und habe hilflos mit "patch"
rumgefummelt und nix gebacken bekommen.

Nach diversen Stümpereien (ich habe sicherlich mein System ca. 12 bis
15 mal komplett formatiert und neu installiert) habe ich Sendmail dann
auch aufgegeben und habe Exim genommen (mit dem ich *sehr* zufrieden
bin und es mir zudem das ebenfalls kryptische Procmail spart).

Dann konnte ich zwar Email empfangen, aber nicht schreiben. Dann
fingen die News-Probs an, ich wußte nichtmals, daß ich für UUCP nen
lokalen News-Server brauchte. Also INN genommen, wieder konfigurieren,
dann News zwar lesen, aber nicht schreiben (Konfig-Fehler).

Wow, war ich vielleicht stolz, als ich sowohl Email als auch News
lesen und schreiben konnte!

Und an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Euch in der
Mailing-Liste, besonders an Michael Bramer, ohne dessen Engagement (er
ist sogar mal bei mir vorbeigekommen) ich wohl nicht so weit wäre.

>- Anpassung der Tatstaturbelegung an franz. Keyboard:

Da hatte ich keine Probleme mit, bei der Installation konnte ich
direkt die de Keymap angeben. Die Umlaute waren nur das Prob, noch
heute habe ich keine in der Konsole, aber gottseidank im vim, mutt und
tin, mehr brauch ich eigentlich nicht.

>- Konfiguration von X: (...)

Hier hab ich Glück gehabt, es war "fast" alles richtig, ich habe nur
den Fehler gemacht, beide Fragen "do you want VGA16 as your default
server" und "do you want S3 as your default server" mit yes zu
beantworten. Dies trieb mich zur Verzweiflung, als Michael vorbeikam,
war es wie bei Caesar: er kam, sah und siegte :-)

>Ich stand nicht unter Zeitzwang sondern richtete mir das System so
>nebenbei ein. Haette ich drauf arbeiten muessen, waere ich den ganzen
>Tag am Fluchen gewesen.

Na ich glaube, das ist etwas vermessen, als Ex-M$ User ein Unix-System
(dazu zählt Linux ja) innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne zum
Rennen zu bekommen *und* auch noch damit produktiv arbeiten zu wollen.

Ich habe ca. 5 Wochen gebraucht, um X-Server, PPP (Surfen im WWW),
Email und News hinzukriegen und ich habe jeden Tag ca. 5 Stunden
(teilweise die ganzen Wochenenden) nur in Lesen, Probieren, etc.
gesteckt.

Ich habe mir sogar bei meinem Provider einen komplett zweiten Point
mit zweiter eigener Subdomain einrichten lassen (und zahle z.Zt.
natürlich doppelte Gebühren), damit ich unter Linux in Ruhe Email und
News konfigurieren kann, ohne durch (mehrfach passiert) Verlieren
eines News-Spools dann nicht richtig am Usenet teilnehmen zu können.
Ich kann immer noch UUCP unter NT machen, dort laufen auch all meine
Filter, etc. sodaß ich mit Linux "spielen" kann.

(Ich verweise stolz auf meine Email-Adresse) ;-)

Ich hielt mich bisher für "bewandert" in Computer-Sachen, bin mit C64,
Amiga, DOS, Win, OS/2 und NT aufgewachsen, bin professionell NT- und
DB-Admin in der Firma, habe zig NT-Server hochgezogen und bin in
grenzenloser Selbstüberschätzung an Linux rangegangen. So ganz nach
dem Motto "ist auch nur ein Computer", das mach ich mal eben so.

Und die M$-Einstellung (ich doppelklicke mal eben das Programm und
schau mal, was passiert) nutzt unter Linux nichts, man stümpert nur
rum und kommt zu keinem vernünftigen Ergebnis.

>Man erwartet nicht, dass die Installation ohne Probleme ablaeuft.
>Aber man erwartet, dass man danach ein System hat auf dem man normal
>tippen kann, seine mail lesen, mail verschicken und (so man will)
>auch noch X zum laufen kriegt.

Das hab ich zwar auch erwartet, aber mittlerweile bin ich durch die
Realität eingeholt worden :-)

>Linux ist ein hervorragenden Betriebssystem mit unaufwiegbaren
>Vorteilen, aber die Konfiguration ist fuer Anfaenger schlichtweg 
>nicht machbar.

Naja, nicht ohne dickes Buch und ohne Hilfe der Linux-Gemeinschaft.
Und nicht, wenn man M$-Benutzerfreundlichkeit erwartet. Und man muß
viel Arbeit, Fleiß und Ausdauer reinstecken, viele hätten an meiner
Stelle aufgegeben. Umso stolzer bin ich, daß ich jetzt "dabei" bin und
ganz bestimmt auch dabeibleiben werde.

Und trotz meiner (noch) bescheidenen Kenntnisse war ich schon in der
Lage, anderen Leuten weiterzuhelfen. Ich kann zwar nicht direkt den
Leuten etwas zurückgeben, die mir geholfen haben, aber ich versuche,
der Linux-Gemeinschaft etwas zurückzugeben, indem ich anderen im
Rahmen meiner Möglichkeiten helfe und somit Linux fördere.

Ich war zudem angenehm überrascht, *wie* hilfsbereit die
Linux-Gemeinschaft ist, trotz DAU-Fragen habe ich nicht ein einziges
Mal eine RTFM-Antwort bekommen (oder gar Flames wie leider sonst im
Usenet üblich).

>Setzt man dagegen den Mac (auf dem ich meistens arbeite), dann packt
>man den aus, schliesst in an und fuenf Minuten spaeter (...)

Naja, ob das *mir* gelingen würde (der nie am Mac gearbeitet hat)? Wie
auch immer: genau *das* Argument bringen auch die M$-User. Klar hat
man Reset 95/98 oder ENTE 4.0 schnell oben und es "läuft".

Für Standard-Anwender, die nichts mit dem Ding machen wollen und denen
Stabilität, Qualität, Ressourcen, etc. egal sind, mag das ausreichen.

>Aber muss Linux so spartanisch sein ?

Das ist ja die Härte: Linux ist nur bezüglich Benutzerfreundlichkeit
"spartanisch", aber unglaublich leistungsfähig. Ich wollte anfangs
"nur" ne Konfig-Datei editieren und werde dazu mit vi oder emacs
konfrontiert. Das Help erschlägt einen völlig, ich wollte nur ne Zeile
hinzufügen/löschen, speichern und wieder raus. Linux meinte da "nix
da, erstmal man, docs, help lesen ... sooooo einfach kommst Du mir 
nicht davon!" :-)

Das vermeintliche "DOS-Fenster" (sorry), entpuppte sich als BASH, mach
mal spaßeshalber "man bash" ... aaaaargl! Die Tab-Taste ist das für
mich erstmal hervorstechendste Leistungsmerkmal, die Shell ist
unglaublich leistungsfähig, aber ich will doch nicht erschlagen
werden, jedenfalls jetzt noch nicht.

>Bei Linux habe ich immer den Eindruck dass der Slogan gilt: Ich mache
>Dir alles und ich mache es besser als alle anderen. Nur musst Du
>herausfinden wie Du mich dazu bringst es zu tun.

ROTFL! Ja, ein wenig ist das leider so :-( Aber *wenn* man erst diese
Hürden gemeistert hat, ist man erstens stolz wie Oskar, zweitens
mächtig beeindruckt und drittens kriegt man (zumindest ich) nen Haß
auf M$ und schimpft wie ein Rohrspatz, wenn mal wieder ein Reset
fällig ist, nur weil man die Net-Bindings geändert, nen Patch applied
oder bloß ne neue Soft installiert hat.

>(...) entweder leistungsfaehig und variabel oder
>einfach zu bedienen. Diese Eigenschaften sind nicht widerspruechlich
>sondern sehr wohl unter einen Hut zu bringen.

Das hab ich in meiner ca. 20-jährigen Erfahrung mit Rechnern noch
nirgends erlebt. Überall waren diese Eigenschaften widersprüchlich.
Und jedes OS hat anfänglich in seiner Konzeptions-Phase genau darauf
hingearbeitet und wir sehen ja, was daraus geworden ist.

>Nur haben sich bisher nur sehr wenige darum gekuemmert.

Das wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln.

>In diese Richtung geht zum Beispiel BeOS, das man
>kurzum als Linux mit Mac ease-of-use bezeichnen kann.

BeOS kenne ich nicht, aber es ist ein recht junges System, welches
nach heutigen Maßstäben zwar revolutionär sein mag, aber seine Reife
noch beweisen muß. Unix hat knapp 30 Jahre, das *ist* ausgereift.

Wenn ich sehe, wie schnell, kompakt, stabil und leistungsfähig die
Linux-Proggies sind, dann bin ich mächtig beeindruckt. Mein
vorsintflutlicher P90 mit 32 MB Ram taugt so gerade noch für NT 4.0
aber für Win 2000 kann ich ihn vergessen. Für das ach so moderne
"Multimedia" (Spielekrams) sowieso. Und genau das ist das Tolle: ich
brauch kein Klicki-Bunti unter Linux zu installieren, die guten Tools
sind schlank, schnell, stabil und laufen unter der Konsole.

Wenn ich X-Server, Netscape, Gimp & Co. aufrufe, dann wird mein
Rechner deutlich träger und ich komme mir wieder "heimisch" (M$) vor.

>Fazit: Linux - find ich gut. Nur sind die meisten User mit der
>       Konfiguration ueberfordert.

Stimmt, als Home-System wird es noch auf lange Sicht nicht etabliert
werden. Eigentlich ist das gar nicht so schlimm, denn dann werden wir
nicht von den DAUs überflutet und als Server-OS taugt Linux schon
lange. Da sehe ich den Markt: nicht beim Home-Anwender, sondern im
Server-Bereich. Im Inet laufen ja die meisten Kisten schon unter
Linux, in den Firmen setzt allmählich auch ein Umdenken ein, Compaq
bietet seine Server z.B. mit Linux und Intel, IBM, Sun und andere
haben sich an RedHat beteiligt.

Viele Grüße und sorry für die lange Mail!

Frederick

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Linux *is* user-friendly.
It's just a little picky about it's friends.

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