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Re: was an debian so toll ist



Markus Raab wrote:

Da cat ./linux/debian/users/german | grep problem 482 Beiträge anzeigt, möchte
ich auch mal schreiben, was Debian zu dem besten Betriebsystem macht.

Es gibt nicht "das beste Betriebssystem", es ist möglicherweise für _Dich_ das zur Zeit beste Betriebssystem, mehr aber auch nicht.

Debian hat ein paar Vorzüge, einigen Deiner Punkte stimme ich zu. Debian ist für mich in der engeren Wahl, wenn es um Server-Systeme geht, die über einen langen Zeitraum zuverlässig und einfach wartbar laufen sollen.

Trotzdem hat Debian aber auch Nachteile, die teilweise durch die Organisation des Projektes selber begründet sind:

- die Qualität der Pakete variiert sehr stark, es gibt sehr gute Pakete und es gibt solche, die trotz ihrer Wichtigkeit in Stable vernachlässigt oder völlig veraltet sind (Beispiele: Cyrus Imap, Hylafax)

- die enthaltenen Pakete in Stable sind viel zu oft zu alt: fast alle Pakete, die auf unseren Servern laufen, sind entweder Backports aus Unstable oder stammen aus anderen Quellen (Samba, OpenLDAP, Postfix, Amavis, Spamassassin...)

- die Update-Politik ist zu restriktiv, es werden grundsätzlich immer nur Fehler korrigiert, es gibt keine Updates auf neue Versionen. Das halte ich nicht überall für sinnvoll.

- wichtige Features müssen oft "manuell" durch Neukompilation nachgerüstet werden, so kommen z.B. OpenLDAP, libnss-ldap und libpam-ldap in Stable ohne SSL/TLS-Support, Samba enthält weder SSL/TLS noch LDAP-Support.

- wer bestimmte aktuelle Software benötigt, wie z.B. Java 1.4.2 und/oder die Eclipse-IDE, der ist bei Debian, zumindest aber bei Stable, völlig falsch

Ich finde die Ideologie und die politische Korrektheit bei Debian auch toll, und es gibt sicher auch eine Reihe technischer Vorzüge, aber manchmal werde ich das Gefühl nicht los, daß das Debian-Projekt sich selbst im Weg steht. Statt das Produkt besser und für die Anwender attraktiver zu machen, hält man sich oft mit Grundsatzdiskussionen auf. Leute, die etwas bewegen wollen, werfen da irgendwann das Handtuch. Ich möchte an dieser Stelle aber klarstellen, daß es sich hier lediglich um die _Eindrücke_ eines Anwenders und Projekt-Outsiders handelt.

Letztlich ist es die Benutzbarkeit eines Systems, die zählt, und ob sich meine spezifischen Aufgaben damit lösen lassen oder nicht. Für mich ist Debian auf einem Server eines der besseren Systeme, aber auf dem Desktop bevorzuge was anderes (aktuell RH+apt).

cu,
Uwe



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