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Re: Ein paar Worte zur Wortliste



Hallo,
also die Frage der Motivation der Übersetzung wurde ja schon
aufgeworfen, deshalb möchte ich sie hier nicht noch mal erläutern.
Aber für viele ist das Ziel auch der Computerlaie (Tante Tillie), 
der nicht viel Ahnung und u.U. noch geringere Englischkenntnisse hat
und konkret etwas wissen oder lernen möchte.

On Fri, Dec 12, 2003 at 11:26:24PM +0100, Arno Zielke wrote:
> Das Ziel einer Übersetzung sollte es sein, dass für die angesprochene 
> Leserschaft die Übersetzung verständlicher ist, als das Original. Man sollte 
> meinen, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist die nicht der Erwähnung 
> bedarf, allerdings stelle ich immer wieder fest, dass dieser Grundsatz 
> zugunsten einer Eindeutschung ausser Acht wird.

Nun, der »offizielle« Begriff für Monitor ist Datensichtgerät -- doch
würde ich das nie schreiben. Einzelkritik s.u.

> Der eine Teil der Leserschaft weiss was man unter bootstrap zu verstehen
> hat und wie es funktioniert. Der andere Teil weiss es nicht. Das deutsche
> Wort ist für den unwissenden Teil der Leserschaft also genauso unver- 
> ständlich wie das Englische. 
> Wäre ich gestern gefragt worden was 'urladen' bedeutet, hätte ich nur mit 
> den Schultern zucken können. Wäre ich gefragt worden was 'bootstrap' 
> bedeutet, hätte ich es erklären können.
> In diesem Fall benutzen der Fragende und der Antwortende unterschiedliche
> Sprachen; Kommunikation gescheitert.
> Gibt der Fragende das Wort 'urladen' in Google ein, gibt 185 Treffer u.a. 
> pdf und ps Dateien aus denen er nur mit Mühe schlau wird.
> Gibt der Fragende das Wort 'Bootstrap' in Google ein und lässt sich nur die 
> deutschen Dokumente anzeigen, gibt 11000 Treffer und gleich der erste 
> verweist auf ein Glossar das den Begriff ein einem Satz erklärt. Also genau 
> dass, was der Fragende braucht.
> Daraus schliesse ich, dass ein Dokument welches den Begriff 'urladen' 
> benutzt seiner Aufgabe, Wissen bzw. Informationen zu transportieren bei 
> weitem nicht so gut erfüllt wie ein Dokument welches den Begriff 'bootstrap' 
> benutzt.

Sollen wir also ein »google-Ranking« für Übersetzungen einführen? Ich
halte es für viel sinnvoller, entweder
a)eine Übersetzungstabelle bereitzustellen (für die Nutzer, d.h. ein
  Link auf der Seite von der Art: häufig gebrauchte Wörter und ihre
  englische Entsprechung), oder
b)Links auf z.B. die Wikipedia bei technischeren Begriffen.

Das ist natürlich eine grundsätzliche Entscheidung, aber ich kenne
Dein Dilema ja auch -- ich will etwas gut übersetzen, aber manchmal
ist das englische Wort so verbreitet, daß ein Leser u.U. durch das
deutsche verwirrt wird. Ich behelfe mir manchmal mit der Konstruktion
(hier am Beispiel Exploit)
kann eine entfernte Schwachstelle (engl. exploit) ausgenutzt werden
wobei ich u.U. das »engl.« entfallen lasse. Dies schreibe ich beim
ersten Auftreten, so daß der Leser dort auch nach dem englischen Wort
recherchieren kann, so er möchte.

> compiler - Compiler
> Dickes Lob. Jeder der schon mal ein 'Hello World' programmiert hat, weiss
> was ein Compiler ist. Der Übersetzer ist ja der Kollege vom Dolmetscher :-)

Nun, in meinem Informatikkurs hieß das Teil Übersetzer. Und genau das
macht er ja auch. Warum stören die die u.U. sehr sprechenden
englischen Namen (hier nicht der Fall), aber wenn ebensolche
sprechenden deutschen gewählt werden, nicht?

> concurrency - Nebenläufigkeit
> Gleichzeitigkeit halte ich für korrekter. (dict.leo.org meint das auch)
> Nebenläufigkeit wird auch mit 'unwichtiger' assoziiert. Es läuft mal so
> nebenbei mit. Was dann richtig falsch ist.

Sorry, daß ist richtig. In Deinem Rechner passiert nichts
gleichzeitig, denn die CPU kann halt nur einen Task zu einer
bestimmten Zeit ausführen (auch wenn es anders aussehen mag). Oder
hast Du ein Mehrprozessorsystem? Aber selbst dann sind es halt zwei,
oder vier Prozesse. Ich halte das für technisch sauber und korrekt
übersetzt. Informatiker mögen meine Beschreibung korrigieren.

> debugging ... - Debug- (z.B. debugging library)
> Hmm, debuggen ist feinstes Denglisch, wird aber meistens verstanden.
> Interaktive Fehlersuche trifft auch zu.

Die deutsche Fassung finde ich gut, ggf. beim ersten Auftreten mit dem
englischen Wort in Klammern. Weitere Kommentare?

> hard link - harter Verweis
> Wer nicht weiss was ein 'hard link' ist wird es kaum heraus bekommen, 
> indem er sich zu informieren versucht was ein 'harter Verweis' ist. Ein
> Tritt in den Hintern vom Türsteher kommt mir in den Sinn.

Mmmh, »Link« hätte ich wohl auch nicht übersetzt.

> icon - Symbol; Icon; Piktogramm; das Ikon; Ikone
> Jeder der schon mehr als 2 Mausklicks gemacht hat, kennt die Bedeutung des 
> Wortes Icon.  
> Piktogramm ist einfach falsch und lasst mir bitte die heilige Mutter Gottes 
> aus dem Spiel.
> Wenn es unbedingt übersetzt werden muss, dann ist 'Symbol' wohl das 
> richtigere Wort.

Les' Dir hierzu bitte das Archiv der Liste durch, die Übersetzung war
stark umstritten.

> remote - entfernt
> Mirosoft Press übersetzt es so seit langem und es hat sich wohl schon einge- 
> bürgert, ich persönlich finde es dennoch krank.
> Auch hier hätte man den, für deutsche Leser, eindeutigen englischen Begiff 
> dem mehrdeutigen Deutschen vorziehen können. Der 'entfernte' Rechner kann 
> auch direkt unter dem Schreibtisch stehen, was aus netzwerktechnischer Sicht 
> kein Widerspruch ist. Der Begriff remote impliziert aber immer die 
> prinzipielle Zugreifbarkeit aus der 'logischen Ferne'. D.h. der Rechner kann 
> noch so entfernt sein, wenn er keine Netzwerkverbindung hat, dann hat dass
> auch nichts dem Netzwerktechnischen Begriff 'remote' zu tun.
> Der Leser muss auch hier im vorraus wissen was 'remote' bedeutet um die die 
> deutsche Übersetzung zu verstehen.

S.o. Ich lese »remote«. Ich kann kein englisch. Also schlag ich nach,
sehe da abseitig, entfernt, entlegen. Was ist jetzt der Vorteil
gegenüber der Verwendung des deutschen Begriffs? Wenn ich von Computer
Ahnung habe, weiß ich auch, daß »entfernt« sich nicht auf Kilometer,
sondern auf Netztopologie bezieht.

> repository - Repository
> Mit einem Paket-Depot auf einem FTP-Server oder dem Datei-Depot von CVS 
> kann der Leser bestimmt was anfangen.

Das können wir hier sicherlich mal diskutieren.

> scroll - rollen; laufen
> Warum eine zweideutige Übersetzung wenn das englische Wort vom deutschen 
> Leser eindeutig verstanden wird? Bei scrollen und Scrollbalken weiss der
> Leser sofort was gemeint ist. 
> Aber bei rollen? Den dazugehörigen 'Rollbalken' würde ich übrigens auch eher 
> bei Obi oder auf einem Abenteuerspielplatz vermuten.

Ohjemine. Mein Vater hatte am Anfang schon ein Problem mit dem Konzept
des »Scrollbalkens« (für ihn funktioniert er genau falschherum) --
geschweige denn, daß er mit dem Begriff des »scrollens« was anfangen
kann. Das »rollen« dagegen trifft ja heute auch für viele Nutzer zu,
den das Rad in der Maus müssen sie ja tatsächlich rollen.

> thread - Strang
> Eigentlich dasselbe Problem wie bei bootstrap.
> Der Programmier weiss was ein Thread ist und kann mit Strang nichts 
> anfangen. Der Anwender der sich informieren will um was es geht, muss
> den Begriff Thread kennen um weiter zu kommen.

Aber es gibt auch Email- oder News-»threads«. Und bei einem
Diskussionsstrang weiß ich auch als deutscher, was gemeint ist.


Und nein, ich finde solche Diskussionen sinnvoll und wenn ich Blödsinn
schwätze (hehe) dann will ich das gefälligst auch gesagt bekommen.


Grüße

         Helge

-- 
Helge Kreutzmann, Dipl.-Phys.               Helge.Kreutzmann@itp.uni-hannover.de
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    64bit GNU powered                  http://www.itp.uni-hannover.de/~kreutzm
       Help keep free software "libre": http://www.freepatents.org/

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